Namenssysteme

Die Namen der Atherion waren alt, weich und würdevoll. Sie sollten nicht roh, kurz oder rein zweckmäßig klingen, sondern wie Teile einer langen Überlieferung. Namen wie Vaelion, Serathis, Aurelion, Maerith, Thalor, Eryndis, Caelisar, Ilyrien, Oranth oder Velarys zeigen diesen Stil: fremdartig, aber nicht chaotisch; erhaben, aber nicht laut.

Ein vollständiger atherionischer Name bestand in gehobenen Kreisen oft aus mehreren Schichten. Der persönliche Name bezeichnete den Menschen selbst. Der Herkunfts- oder Linienname verwies auf Familie, Haus, Archivlinie oder geistige Abstammung. Dazu konnte ein Amtsname treten, wenn eine Person eine bedeutende Funktion im Staat, in der Forschung oder im Ritualwesen übernahm.

Beispielhafte Namensstruktur:

Maerith aus der Linie Velarys, Seelenarchivarin des Weißen Hofes
Caelisar Oranth, Archon der Seele
Serathis, Hüterin des Letzten Atems

Nicht jeder Bürger führte alle Bestandteile öffentlich. In der einfachen Bevölkerung genügte meist der persönliche Name, ergänzt durch Beruf, Wohnbezirk oder Familienchronik. In Archiven, Gerichten und Heilkammern wurde jedoch der vollständige Name geführt, damit ein Leben eindeutig zugeordnet werden konnte. Für die Atherion war dies keine Bürokratie im gewöhnlichen Sinn, sondern eine Form der metaphysischen Genauigkeit. Ein Mensch durfte nicht mit einem anderen verwechselt werden, besonders nicht im Tod.

In der Spätzeit wurden Namen zunehmend technischer behandelt. Was früher Herkunft und Würde ausdrückte, wurde in Forschungslisten, Seelendaten und Versuchskatalogen erfasst. Manche Gebundene und Versuchsträger verloren ihre vollständigen Namen und wurden nur noch über Funktion, Körperzustand oder Seelenwert bezeichnet. Dieser Verlust des Namens war eines der deutlichsten Zeichen des kulturellen Zerfalls.